Beziehungsglück – fällt nicht vom Himmel

 

Einfach nichts tun in Sachen Beziehung, lässt jede Beziehung auf Dauer schlechter werden oder gar scheitern. Reden allein hilft auch nicht. In der Region Sarganserland und Werdenberg steht von Seiten der beiden grossen Kirchen seit fast 40 Jahren eine Paar-, Ehe- und Familienberatungsstelle für alle Menschen zur Verfügung, die für ihre Beziehung lernen wollen und so dem Beziehungsglück und dem Gelingen von Beziehung näher rücken.

 

„Wir reden ja nur miteinander, wenn wir bei Ihnen sind.“ Frau D. blickt sehr vorwurfsvoll zu Ihrem Mann. „Seit der letzten Beratungsstunde hatten wir keine Zeit mehr in Ruhe miteinander zu reden. Wir hatten beide so viele Termine, fast jeden Abend ist einer von uns weg im Verein, im Chor, beim Elternabend, beim Sport…. Ich habe sooft gewartet, dass Du auf mich zukommst. Computer, Handy und Fernseher sind Dir anscheinend aber wichtiger!“ Frau D. schaut erwartungsvoll zu Ihrem Partner und zur Paartherapeutin. Und sie fährt mit wütender Stimme fort: „Immer muss ich alles ansprechen!“ - Herr D. rückt sich etwas im Stuhl zurecht und sagt dann: „ Es verhält sich, glaube ich, ein kleines bisschen anders: ich weiss auch, dass wir reden sollten und einiges für unser Leben zu besprechen ist. Nur es kann nicht immer so laufen, wie Du es Dir gerade vorstellst. Ich und unsere Kinder haben auch ein eigenes Leben; und ausserdem macht sich die Steuererklärung nicht von allein.“  Zwei Menschen, zwei Perspektiven auf ein und dieselbe Situation.

 

 

 

Viele Männer und Frauen beklagen bei Ihrem Anruf bei der Ehe- und Familienberatung Sarganserland-Werdenberg in Sargans, dass die Kommunikation in ihrer Beziehung im Argen liegt. Es ist ein plausibler Grund, um endlich einen Termin an der Beratungsstelle für Beziehungsfragen zu vereinbaren. Kommt das Paar bald schon zum Erstgespräch, dann sind nach ein paar Erstinformationen an den Paartherapeuten oder die Paartherapeutin  die schwierigen Situationen in der Beziehung und im Beziehungsalltag an- und auszusprechen. Der Druck ist gross und schmerzhaft. Hatten doch beide die Beziehung in bester Absicht begonnen. Und jetzt? Sind wir gescheitert?

 

 

 

Schnell wird von den Therapeuten erkannt, dass häufig die Versuche miteinander ins Gespräch zu kommen, allein daran scheitern, dass das Paar im Alltag nie den richtigen Zeitpunkt für ein Gespräch findet. Als sie verliebt waren, beteuern beide, hatte es trotz Arbeit zu allen Tages- und Nachtzeiten Treffen und Gesprächszeiten gegeben. Die Berater hören mit „grossen Ohren“ und so einigen Erfahrungen bzgl. Paarkommunikation den Schilderungen der Klienten  zu. Natürlich scheitert ihr Gespräch nicht am richtigen Zeitpunkt, weil es den nicht gibt. Wir alle haben heute zu wenig Zeit, um all das zu tun, was uns wert und wichtig ist. Zwei Menschen müssen sich bewusst dafür entscheiden, dem gemeinsamen Gespräch miteinander vor vielen anderen Dingen Vorrang zu geben. Wenn jemand einen Freund oder eine Freundin treffen will, dann vereinbart er auch mit dem anderen einen Termin und einen Ort. In einer Paarbeziehung  steht oft die Erfahrung im Weg, dass das Gespräch so nebenbei und spontan allzu häufig wieder im Streit endet. Ja, wer sich viele Male ungeliebt fühlt, möchte dann nicht noch mehr Kritik und Entwertung erleben. Und Partner, die sich ohnehin bevormundet und ständig kritisiert erfahren, wie Herr D. im oben angeführten Beispiel , wollen nicht schon wieder nachgeben. So entsteht das schweigsame Nebeneinander und wird für beide im Alltag immer unerträglicher.

 

Das, was dann dem Beziehungsglück im Weg steht, ist die „Macht der Gewohnheit“ und die gegenseitige Verärgerung.

 

 

 

Vor fast 40 Jahren haben die Katholischen Bischöfe auf Empfehlung des Konzils in Rom die Kirchgemeinden beauftragt, jeweils für grössere Gebiete eine Beratungsstelle für Partnerschafts-, Ehe- und Familienfragen einzurichten. Schnell war es der katholischen und der evangelischen  Kirche zusammen ein grosses Anliegen, der immer mehr um sich greifenden Destabilisierung der Institution Ehe  und den verstockten Beziehungen innerhalb von Familien entgegenzuwirken. Bald nach der Gründung von fünf Ehe- und Familienberatungsstellen Ende der Siebziger Jahre im Kanton und Bistum St. Gallen erhielten die Beratungsstellen mehr und mehr Zustrom und Anfragen von Hilfesuchenden.  So nehmen sich bis heute die Katholischen und reformierten Kirchgemeinden, die politischen Gemeinden, die Kantonalkirche und die katholische Administration durch die Paar-, Ehe- und Familienberatungsstellen diesem diakonischen Dienst an. Sie stellen dafür Räume und qualifizierte Mitarbeiter bereit. Aus der christlichen Haltung der Diakonie, des füreinander Daseins und Dienens, gerade auch in grosser Beziehungsnot, kann die Beratung so kostenfrei oder für eine der persönlichen Situation entsprechende Bezahlung  durch die Klienten angeboten werden. Die Beratungsstellen in Sargans, Altstätten, St. Gallen und Herisau arbeiten alle eng mit den anderen Fachberatungsstellen, wie Soziale Dienste, Kinder-und Jugendhilfe und anderen zusammen und konzentrieren sich auf Psychologische Begleitung und Beratung in Beziehungsfragen.

 

 

 

Die Anzahl von Männern, Frauen, Paaren, jungen bis sehr alten Menschen, die die Beratungsstelle aufsuchen, werden seit der Gründung jährlich mehr. Die Themen und Fragen, die die Menschen mitbringen, sind vielfältiger denn je. Die Instabilität heutiger Beziehungen ist nicht, wie manche Moralisten oder auch Psychotherapeuten klagen, eine Folge von Bindungslosigkeit oder Beziehungsunfähigkeit; sie ist vielmehr die Konsequenz des hohen Stellenwertes, der dem individuellen persönlichen Glück beigemessen wird. Hier liegt der grosse Unterschied zu früheren Generationen: Wir haben einen viel höheren Qualitätsanspruch in Beziehungsdingen und deshalb scheitern wir oft. Und das ist kein Wunder: Weil die Generationen vor uns solche Ansprüche an die Dauerbeziehung zwischen Mann und Frau nicht hatten, fehlen uns die Modelle dafür. Was wir heute unter Paarbeziehung verstehen, das haben wir keineswegs mit der Muttermilch eingesogen und aus unseren familiären Milieus mitbekommen. Zudem vermischen sich seit dem 20. Jahrhundert die Völker und Kulturen mehr und mehr miteinander. Brauchbare Modelle für`s Heute sind multikulturell erst zu entwickeln.  Kinder lernen bei ihren Eltern und schauen sich dort ihre Beziehungsgestaltung 1:1 ab.

 

 

 

Darum suchen Paare, Einzelne, Junge und Alte Beratungsstellen und Therapeuten auf:  Um das nötige Beziehungs-Know-how zu lernen oder zu verbessern, damit die Wünsche an das eigene Leben in Beziehung besser verstanden werden und das individuelle, sehr persönliche  „Handwerkzeug“ zur Beziehungsgestaltung gelernt wird. Nicht selten läuft es darauf hinaus, dass die eigenen Vorstellungen überprüft werden müssen und dann begonnen wird, eigene Ansprüche zu hinterfragen. So entsteht durch die Unterstützung des Paartherapeuten ein neuer Blick auf die eigenen Möglichkeiten, das gemeinsame Leben zu gestalten.

 

 

 

Paar- und Einzeltherapie braucht es also oft zu einem alltagstauglichen Beziehungs-Lernen:

 

Was muss ich, was kannst Du, was wollen wir ändern und entwickeln, damit unverzichtbare Ansprüche an die Beziehung realisiert werden können? Kennen wir gegenseitig unsere Lebens- und Beziehungsvisionen, die sich im Laufe des Lebens auch verändern? Und von welchen unrealistischen Bildern von Beziehung und Partnerliebe verabschieden wir uns, damit wir nicht an ihnen scheitern? Brauchbare Antworten auf all diese Fragen lassen sich nicht in einem Rezeptbuch „Beziehung“ finden. Sie müssen individuell auf den Einzelfall hin entwickelt werden, und darum braucht es den gemeinsamen Prozess der therapeutischen Gespräche.

 

 

 

Herr und Frau D. haben in den Therapiegesprächen unter anderem für sich gelernt und geübt, wie sie die „Wenn-nicht-jetzt-wann-dann“ Regel in ihrem Alltag einbauen.  Jeder darf den anderen jederzeit anfragen für ein Gespräch. Jeder ist frei zu antworten: „Jetzt gerade habe ich nicht den Kopf dafür frei, aber ich schlage z.B. vor, Morgen um 18 Uhr oder um 20 Uhr im Wohnzimmer oder am Küchentisch.“ Dann können beide miteinander verhandeln, wann das miteinander Sprechen stattfindet,  vorausgesetzt beide halten sich an die gemeinsam getroffene Vereinbarung.

 

Wenn Paare diese Regel ernst nehmen, fühlt sich der Aufgeforderte nicht so bevormundet und der Fordernde nicht so ausgeliefert. Es ist noch längst nicht die Lösung ihres Konfliktes, aber eine grosse Ermutigung auch noch andere Themen ihrer Beziehung mit dem Paartherapeuten oder der Paartherapeutin anzuschauen. Beziehungsglück ist noch nie vom Himmel gefallen.

 

 

                                                                                                         Dr. Beate Boes, Stellenleiterin    

 

 

 

  WUSSTEN SIE ....

_________________________________

 

  WENN ES IN DER BEZIEHUNG ENG WIRD

 

„Mich zurückzuziehen war mein bevorzugtes Verhalten, wenn es mir in der Beziehung zu eng wurde. In guten Zeiten Lebemann wie ein Macho, aber wenn es mir bei der Arbeit oder persönlich schlecht ging, flüchtete ich mich ins Alleinsein. - Ich habe es nie gelernt von mir zu reden oder gar für mich Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ So sagt ein Mann, der sich in seiner immer grösser werdenden Not an die Ehe- und Familienberatung wendet.

 

Lernen, Hilfe anzunehmen
Sich in Sachen Autokauf Informationen über einen Händler zu holen, das ist heute selbstverständlich. Sich für den Umgang in der Beziehung oder in Sachen Kommuni-kation Hilfe zu holen, das erfordert für Männer viel Mut. Endlich den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und um einen eigenen oder gemeinsamen Termin zu bitten, damit ist die erste Hürde geschafft. Die Anzahl der um Hilfe bittenden Männer hat in den vergangenen Jahren stets zugenommen. Auch sind es Männer jeden Alters, die die Hilfe der Beratungsgespräche in Anspruch nehmen. Die Meisten glauben aber immer noch, mit den eigenen Problemen alleine fertig werden zu müssen. Es stimmt, die eigentliche Veränderungsarbeit macht jeder Mensch für sich, aber wenn mit Hilfe von einem Berater oder einer Beraterin Zusammenhänge des eigenen Verhaltens verstanden werden und neues Verhalten geübt werden kann, dann fühlt „man“ sich bestärkt für anderes Umgehen in der Beziehung, manchmal sogar mit Arbeitskollegen.

 

Meine Situation ansprechen
Männer überschätzen schon mal die eigene Belastbarkeit, unterschätzen oft die eigene Belastung, kennen zu wenig ihr eigenes Stressverhalten. Männer tun sich schwer, ihr Befinden in Worten auszudrücken. Gespräche mit Männern sind eher kürzer, weil sie dann auch schnell auf den Punkt kommen. Wenn Männer in die Beratung kommen, ist schnell gesagt, was das Anliegen ist. Sie wollen sich verstanden fühlen, suchen Orientierung oder erwarten einen Hinweis, der sich schnell umsetzen lässt.

 

 

 


Das Vertrauen der männlichen Klienten in der Beratungsstelle wird vor allem über das Zuhören gewonnen. In eigenen Angelegenheiten schätzt es der Mann, wenn sich der Berater oder die Beraterin zurücknimmt, nicht sofort urteilt und schon gar nicht wertet, was da oft zaghaft aus dem eigenen Leben berichtet wird. Veränderungs- und Lösungsprozesse einer schwierigen Lebens- und Beziehungssituation werden dann gemeinsam mit dem Klienten entwickelt.

 

Richtungswechsel – Wechseljahre
Es ist ja verständlich, dass „man“ irritiert ist, wenn um die Lebensmitte bisheriges Reden und Verhalten im Umgang mit anderen nicht mehr so passt. Schliesslich sind in allen Lebensbereichen, nicht nur auf sexuellem Gebiet, die Jüngeren gerade dabei, ihn endgültig zu überholen und ihn dabei alt aussehen zu lassen. In der Firma wird plötzlich ein Jüngerer für eine verantwortliche Aufgabe herangezogen, im Sport wechselt „man“ in die zweite oder dritte Liga, spielt „alte Herren“. Und zu Hause wachsen die ersten Kinder dem Vater über den Kopf oder haben ihn gar schon zum Grossvater gemacht. Da ist ein Richtungswechsel angesagt! Es geht um die Kurve!


Diese Zeit mit ihrer Bewegung ist neben der Pubertät wohl die grösste Kurve im Leben eines Menschen! Und sie dauern – die Richtungs-Wechseljahre. Hier wird es daher auch gefährlich. Wenn ein gelungenes Leben wie ein Kreis beschrieben werden kann, dann kommt jetzt im Zenit des Lebens, zum ersten Mal die Herkunft in den Blick. Jetzt erkennt „man“ (und seine Frau), dass er seinem Vater oder seiner Mutter immer ähnlicher geworden ist. Trotzdem: „Man“ muss nach vorne schauen. Die Heimreise beginnt. Jetzt auf einmal fragt „man“ intensiver: „Wer bin ich (geworden)?“ Das hört sich anders an, als in den vergangenen Jahren: „Was kann ich? Was will ich und was muss ich leisten?“


Welche Herausforderung hält das Leben für den Mann in den Wechseljahren bereit? Wenn der Siegeszug ins äusserliche Leben, in Glanz, in Ausstrahlung, in Statussymbole und Kinder, in Geld und Macht nicht mehr weitergehen kann, dann steht die Kehrtwende an. Wenn Muskeln und Haut nicht mehr gestrafft werden können, was muss dann folgen? - Die Reise nach innen beginnt! Der Herbst, wie der Herbst des Lebens, beginnt schliesslich immer am Ende des Sommers. Jedes Jahr macht uns die Natur die stete Veränderung des Lebens vor. Sommer ist nicht Frühling und im Herbst ist es nicht wie im Sommer, der Winter ist anders wie der farbenfrohe stürmische Herbst. Warum sind alle Männer und auch Frauen so irritiert, wenn es nach vielen Jahren in unserer Beziehung nicht mehr so verliebt zu geht, wie damals im Frühling der Beziehung? - Meist ist von beiden Seiten vergessen worden an der Partnerschaft, am gemeinsamen Umgang, an der Kommunikation zu arbeiten. Erst im Herbst des Lebens die Dornen der Respektlosigkeit, das Gestrüpp der Achtlosigkeit, das viele Unkraut von verletzenden Diskussionen aus dem Beziehungsgarten zu beseitigen, ist wahrlich mühsam! Das lässt bestenfalls nach Hilfe rufen! - Auf jeden Fall ist es nie zu spät, mich für die gemeinsame Beziehung - auch mit Hilfe eines Beraters / einer Beraterin – einzusetzen. Voraussetzung ist aber, ich will etwas zum Guten in meiner Beziehung verändern.

 

 

                                                                                        Dr. Beate Boes, Stellenleiterin

 

 

 

 

Ehe- und Familienberatung Sarganserland-Werdenberg

Städtchenstrasse 65

7320 Sargans

 

Tel. 081 723 37 67

Mail